Kito Nedo creams over the new ACO record!
Check out his portrait fo the band in today’s Berliner Zeitunghttp://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0904/feuilleton/0030/index.htmlor read it here:
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Wie viel Kunst passt in eine Band?
Das “Art Critics Orchestra” veröffentlicht die dritte CD
Kito Nedo
Das Leben” sagt Raimar Stange, “ist viel zu wichtig, als dass man es ernst nehmen sollte.” Der 49-Jährige trägt sein Basecap mit großem Fragezeichen, auf Promofotos eine John-Lennon-Sonnenbrille, spielt Bass und ist Sprecher einer der besten Bands, die Berlin derzeit zu bieten hat. Ihr Name ist “Art Critics Orchestra” (ACO), sie wurde 2003 gegründet und alle Mitglieder neben Stange - Agnes Wegner, Andreas Schlaegel, Laura Oldenbourg und Micz Flor - haben irgendwas mit Kunst zu tun: als Kritiker, Verleger, Ausstellungsmacher oder Gestalter.
Soeben ist die dritte CD mit dem nach Gestalttheorie klingenden Titel “Das Summen der Teile” erschienen. Die Band probt zweimal die Woche im Proberaum in Weißensee, um das neue Repertoire für die nächsten Liveauftritte in Frankfurt, München und Budapest einzuüben. Nicht nur deshalb verabredet sich ACO zu Interviews nicht in einer coolen Cappuccino-Bar in Mitte, sondern im nahen Strandbad Am Weißen See, wo sich fast wie zu Zeiten des Zille-Milljöhs reden, Bier trinken, baden oder nur knietief im Wasser stehen lässt.
Also, ACO ist kein ironisches Projekt, betont auch Sängerin Wegner, vielmehr ginge es um kollektives Vergnügen, Politik und ästhetische Experimente. Auf der neuen Platte etwa übt man sich in Rückgriff auf Deutschrock-Gesten der Achtzigerjahre, wie man sie wohl zuletzt beim Festival des Politischen Liedes gesehen haben mag. Bei der vorhergehenden, einfach “Artists Songs - Künstlerlieder” (2008) betitelten Produktion ließ man sich die Songs von Künstlern wie Karin Sander, Elke Krystufek, Carsten Nicolai oder Gerwald Rockenschaub auf den imaginären Bandkörper schneidern, das CD-Cover lieferte Candice Breitz - wie Pac-Man fraß sich ACO in einem irren Tempo durch die hauptstädtische Kunstszene.
Wie viel Kunst verträgt eine Band, ohne zu platzen? Im Fall von ACO eine ganze Menge. Doch trotz all der berühmten Künstlerfreunde hat man sich seinen eigenen, sperrigen Stil bewahrt und hört noch lange nicht das, was alle um sie herum hören. Nachspielen will man es schon gar nicht.
Wo wollen sie hin? Was sind ihre Vorbilder? “Nicht Kippenberger, nicht Sonic Youth, nicht Patti Smith”, sagt Bassist Stange, der negative Dialektiker, der sich seine Songideen bei Anders und Adorno holt. Und Gitarrist Flor fügt hinzu: “Paul Goodman, ein bisexueller, kritischer Pragmatist des frühen zwanzigsten Jahrhunderts - das ist definitiv eine Inspirationsquelle für uns.” Ob es sie stört, immer nur als rockende Extrabeilage auf Ausstellungseröffnungen für schnöseliges Vernissagenpublikum durch Galerien, Kunsthallen, Museen zur tingeln? Nein, ganz und gar nicht. “In Museen zu spielen ist genauso nervig wie in richtigen Clubs” sagt Flor.
Manchmal holen sie sich Peter Hein von Fehlfarben dazu, noch so ein Unangepasster. Und Patti Smith, falls sie doch mal auftauchen sollte, würde man auch nicht vertreiben, schließlich ist der Hausheilige dieses Bandkollektivs ein bisexueller, kritischer Pragmatist.
Art Critics Orchestra: Das Summen der Teile (AtzeO 002) www.artcriticsorchestra.com, Nächste Konzerte: 6. September: Galerie Voges & Partner, Frankfurt/Main, 12. September: Impex Museum, Budapest, 2. Oktober: Baumwollspinnerei Leipzig 3. Oktober: Lenbachhaus München.